Mittwoch, 23. Mai 2007, 19.00 Uhr, Hörsaal 6 (Neue Uni, Altstadt HD) AIDS zwischen Hexerei, Geistern und KrankenhausEin medizinethnografischer Blick auf die Pandemie Priv.-Doz. Dr. med. Walter Bruchhausen, Dipl.Theol., M.Phil. (Medizinhistorisches Institut, Bonn)
Verschiedene Kulturen bringen verschiedene Erklärungen von Krankheit mit sich. AIDS als eine naturwissenschaftlich erklärbare und mit Medikamenten therapierbare Krankheit? Oder durch böse Geister oder Hexerei verursacht und somit keine klare Domäne der westlichen Medizin? Wo Präventionsarbeit und medizinische Versorgung im Bereich HIV auf traditionelle Bräuche und Mythen stoßen, entstehen häufig Konflikte. Als Beispiel sei hier die Witwenheirat durch den Bruder eines Verstorbenen („Leviratsehe“) genannt, oder der Versuch, sich von einer HIV-Infektion durch Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau (sog. „virgin cure) zu befreien. Auch andere aus naturwissenschaftlicher Sicht problematische Heilungsversprechen sind verbreitet. Wann und warum sucht ein AIDS-Kranker Hilfe bei einem traditionellen Heiler oder in einer religiösen Gruppe, wann in einem Krankenhaus? Ist es möglich, traditionelle Sichtweisen mit modernen Präventions- und Therapiekonzepten in Einklang zu bringen?
Unser Referent, Dr. Walter Bruchhausen wird über diese Problematiken sprechen. Er ist Arzt, Theologe und Privatdozent für Geschichte, Anthropologie und Ethik der Medizin am Medizinhistorischen Institut der Universität Bonn und Mitglied der „AG Medical Anthropology“. Bei seinem Vortrag stützt er sich unter anderem auf seine ethnomedizinische Feldforschung in Südost-Tansania, wo er Interviews mit etwa 90 "traditional healers" führte. Auch in Ruanda konnte er während seiner Tätigkeit als Arzt viele Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln. Walter Bruchhausen ist Herausgeber des Buches „Hexerei und Krankheit “ und Autor von „Medizin zwischen den Welten“. Walter Bruchhausen Web Links |